Samstagnacht. Ich verbringe meine Zeit, wie den Großteil meines Tages, wenn ich mal nicht von einem Cafe zum nächsten Restaurant schlendere, im Bett - und denke nach. Ich denke in letzter Zeit für meine Verhältnisse ziemlich viel nach und fühle mich so, als wenn ich mich nur ständig im Kreis drehen würde. Seit einigen Wochen habe ich mein Leben nur so halb im Griff und das gefällt mir ganz und gar nicht.  Ich ärgere mich über mich, über ihn, über die Situation, über unsere Ängste und zugleich unsere Wünsche. Und dann beginne ich wieder von Neuem, im Kreis nachzudenken. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, auszubrechen. 

Manchmal bist du mir so nah und ich spüre förmlich deinen Atem und muss mich zurückhalten, um nicht von solchen Momenten abhängig zu werden. Ich möchte dich in die Arme nehmen und ich möchte von dir umarmt werden, ganz fest und frei und ohne, vorn und zurück blicken zu müssen, dass uns jemand sehen könnte. Und dann wäre da die Sicherheit, die wir uns nicht geben können oder wollen. Und dann wäre da noch so Einiges, was uns im Wege steht und wir nicht überwinden können oder wollen. Aber da waren auch Sekunden, in denen nichts anderes gegeben hat, außer unseren Herzschlag. Eine Hand im Dunkel, ein verschmitztes Lächeln, funkelnde Augen. Und Nächte, lange Nächte mit nur einem Chatfenster. 

Sich zu verlaufen, ist gar nicht so übel. Schlimmer ist es, wenn man gar nicht weiß, was man will. Stehen bleiben? Weiter gehen? Wohin des Weges? Wenn ich wüsste, was ich nur möchte. Wenn du wüsstest, was du nur brauchst. Zwischen Stadien zu stehen, eine Beziehung ohne Namen zu führen, ist nicht leicht.  Heute Nacht bist du mir ganz weit und ich würde nicht mehr so tun, als wenn mir alles egal wäre. Denn die Wahrheit ist, du bist immer in meinen Gedanken, unaufhörlich. Aber vielleicht sollte man eine Hand loslassen, bevor die Finger sich zu lange ineinander flechten. Aber vielleicht sollte man jemanden loslassen, den man nie seinen eigenen nennen darf. Vielleicht sollte ich mich von dir losreißen, bevor ich schwach werde. 

Und dann öffne ich gedankenlos unser Chatfenster. Du bist online. 
Und dann schließe ich es wieder. Du bist nicht meins. 

9 Kommentare

  1. Ach Chi. Das klingt so traurig. Ich hoffe, dass du bald weißt, wohin du gehen möchtest.
    Ganz liebe Grüße <3

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  2. Dein Text berührt mich total, aber er klingt sehr traurig :( Ich wünsche dir viel Kraft, dass du das durchstehst und wieder deinen Weg findet und dein Leben nicht nur halb, sondern ganz im Griff hast ♥

    Liebe Grüße ♥
    Hang

    http://hang-tmlss.de

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  3. So geht es mir in letzter Zeit oft auch. Ich fühle mit dir.
    Aber sogar wenn es jetzt unmöglich klingt, du wirst schon die richtige Entscheidung treffen und deinen Weg finden :)

    Liebe Grüße, Chi Chi
    www.ccl-cherryblossom.blogspot.de

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  4. Es kommt mir so bekannt vor und ich seh auch keine andere Möglichkeit als loszulassen, bevor ich ganz verloren bin.

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  5. Ich bin auch ein Mensch, der einfach viel zu viel nachdenkt. Auf der einen Seite mag ich es auch, denn es bedeutet ja auch, dass man las Leben nicht einfach an sich vorbei ziehen lässt, aber auf der anderen Seite kann es einen auch wirklich behindern und einen eingeengt fühlen. But there's always something positive in every day :)

    Liebe Grüße, Nina
    http://ganzbesonders.blogspot.de

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  6. Ein sehr schön geschriebener Text, auch wenn die Gefühle dazu nicht so schön sind. Ich finde es furchtbar, wenn man nicht weiß was man will. Mich persönlich zerfrisst es immer wirklich unglaublich

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  7. Dieser Text spricht so viel aus, wofür mir derzeit die Worte fehlen.
    Tut gut sowas zu lesen.

    Danke.
    Sandy von www.ownblack.net

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  8. Wow liebe Chi, ein wunderschöner Text. Ich kenne dieses Gefühl leider momentan nur zu gut, aber ich versuche dieses "Ende" als einen Neuanfang zu sehen.. und hoffe, es tut dann weniger weh.
    Ich bin soo begeistert von Deinem Schreibstil und Deiner sympathischen Art bzw Vorstellung auf about ♡
    allerliebste Grüsse
    Janine von http://www.yourstellacadente.com/

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  9. Liebe Chi,

    mir sitzt beim Lesen deines Textes ein großer Kloß im Hals und mit viel Mühe habe ich ein paar Tränen wahrlich zurückhalten müssen.
    Ich finde kaum Worte für dein Geschriebenes, denn mich persönlich haut es um, wie genau es meine Gefühle einer Person gegenüber gerade beschreibt. Danke dafür, dass du uns daran teilhaben lässt, egal wieviel davon 100% real oder fiktiv sind. Gefühle sind immer echt.

    Ich glaube, dass das mein erster Kommentar zu einer deiner Werke ist, da ich eher die stille Leserin bin, die sich viele Gedanken macht. Ich bin zudem überfroh, dass du weiterschreibst. Bin stolz auf dich!

    - Natsuhatschu -

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