Meine Lippen zittern vor Kälte, während ich die Hände ganz tief in die Manteltaschen stecke und etwas gekrümmt nach Hause laufe. 2 Uhr 30. Noch nicht ganz so spät für meine Verhältnisse. Trotz des recht vollen Tagesplans fühle ich mich sehr lebendig und noch gar nicht erschöpft. Also mache ich einen kleinen Umweg, schlendere noch ein bisschen durch Kaisers, der bei uns 24 Stunden geöffnet ist, und genieße die Leere des Supermarktes in der Nacht. Zwischen den Regalen stehen vereinzelt Mitarbeiter, die neue Waren einräumen, Nachteulen wie ich. 

Meine Shuffle-Playlist entscheidet sich für Yesterday von den Beatles und unwillkürlich ziehe ich mein Smartphone aus der Tasche. Keine Nachricht. Noch immer nichts. Irgendwie komisch und zugleich witzig, dass wir uns heute nichts geschrieben haben. Ich denke an gestern Nacht und über das seltsame Gespräch, das wir führten, und an den Moment, an dem ich die Autotür etwas zu fest zuschlug. "Yesterday all my troubles seem so far away... " Wir aßen in meinem Lieblingsrestaurant, ich trug meinen neuen Lieblingsschal und er könnte mein Lieblingsgeprächspartner werden. Wir sprachen über Gott und die Welt und irgendwann darüber, dass alle Männer fremdgehen (werden) und ich hatte ständig das Gefühl, entweder direkt den Tisch verlassen oder losweinen zu müssen. Stattdessen blickte ich nach wie vor gerade aus in sein unverschämt gutaussehendes Gesicht und versuchte, mich zusammen zu reißen. Bloß nicht die Fassung verlieren, bloß nicht, aber die Enttäuschung stand mir im Gesicht geschrieben. Denn vermutlich hatte er Recht. 

Es ist nicht so, als wenn meine Weltfassung über Nacht zusammen gebrochen ist. Ich glaube natürlich noch an "gute" Männer, die lieben und nie mit einer anderen Frau intim werden, solange sie in einer Beziehung stecken. Ich glaube an Männer, die Frauen wie Unterwäsche wechseln können und sich nicht eine Sekunde darüber Gedanken machen. Und es gibt die Sorte Männer, die ab und an schwach werden, weil sie es für normal halten, dass Mann seine Gefühle und Bedürfnisse nicht immer beherrschen können. Alles Dinge, die in Hollywood-Streifen abgebildet werden und im echten Leben passieren. Dinge, die ich früher in meinen Jugendjahren für eine künstlerische Übertreibung gehalten habe. Ob Frau sich damit abfinden muss? Weiß ich nicht. Manchmal hilft auch die Emanzipation nicht mehr weiter.

Und ich schreibe diese Zeilen nieder, weil ich gerne eure Meinung dazu hören möchte. Wie waren eure Beziehungen bisher? Glaubt ihr (noch) an perfekte Beziehungen ohne eine dritte Person? Glaubt ihr (noch) an die ehrliche, einzige Liebe? 

Fragen, für die ich selbst noch keine Antwort parat habe. 

11 Kommentare

  1. Schwieriges Thema. Ich bin sicherlich keine große Romantikerin, aber ich denke dennoch nicht, dass alles Männer irgendwann in ihrem Leben fremdgehen. Sicher, es mag sie geben, die die es "einfach so tun", ohne Rücksicht auf Verluste, aber vielmehr denke ich, dass Menschen - und da mache ich keinen Unterschied zwischen Mann und Frau - nur dann fremdgehen, wenn für sie in ihrer Beziehung etwas nicht stimmt. Da viele Leute aber verlernt haben - so jedenfalls meine Erfahrung - offen mit ihrem Gegenüber zu sprechen, vielleicht auch, weil sie sich gar nicht so wirklich bewusst sind, dass für sie etwas falsch läuft, suchen sie sich dann andere Wege... Deshalb bin ich der Meinung, dass solange man eine Beziehung führt, in der ein offenes Miteinander möglich ist, auch keine 3. Person ins Spiel kommt/kommen muss.

    Liebe Grüße :)

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  2. Also ich persönlich habe schon vielerlei schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Ein Exfreund hat mich mit meiner besten Freundin betrogen, der andere mit seiner. Natürlich brodelt es dann erst mal, vielleicht auch erst einmal länger. Man spürt Hass, Verachtung, gibt sich irgendwann selber die Schuld, zweifelt an sich. Aber letztenendes muss man eben wieder aufstehen. Ich habe nachwievor meinen Glauben an die Liebe, meinen Glauben an die Männer dieser Welt nicht verloren. Ich finde das Männer schwach sind, ist so die eine Sache, es gehört eben auch zwei dazu und sofern "sie" wusste, dass er in einer Beziehung ist, stellt sich letztendlich die Frage, wen die größere Schuld trifft.
    Ich könnte soviel dazu schreiben, Texte, Bücher. Ich könnte sagen, dass Männer und Frauen keine Freunde sein können, oder dass es zumindest nicht einfach ist, dem Drang zu widerstehen. Aber ich werde immer vom anderen überzeugt, allein weil ich selber relativ viel mit Männern zu tun habe, dafür weniger mit Frauen.
    Ich finde man kann das nicht nur schwarz oder nur weiß sehen. Es gibt immer die guten und es wird immer die guten geben. Den oder diejenige zu finden, wird dauern. Vertrauen aufzubauen wird ebenso dauern. Aber wenn es läuft, dann läuft es eben und dann sollte man das Vertrauen auch nicht hergeben. Nicht ausnutzen. Sondern einfach genießen, wenn es beidseitig ist.
    Keiner kann dir eine 100%ige Sicherheit geben, dass es nicht wiedergeschieht. Da hilft wirklich nur Vertrauen und Glauben.

    Liebe Grüße,
    Jenny

    http://imaginary-lights.net

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  3. Meine liebe, sehr schön hast du geschrieben.
    Ich glaube ganz und gar, dass es da Männer gibt die sich einlassen können zu 100% zumindest hoffe ich dass es die gibt, für die es nur eine Frau in ihrem Leben gibt, die keinen Plan B brauchen falls Plan A nicht aufgeht, falls es mit der Beziehung scheitert...
    Ich denke mir so oft - bin ich komisch, dass ich so denke, dass ich eine Beziehung will in der man sich nach keinem anderen Partner sehnt? Gibt es die Männer die das gleiche wollen? Ist das alles nur Utopie denken? Überall wird man mit Affären, Ausrutschern der Männer in Filmen, bei Gesprächen mit Kumpels etc. konfrontiert und mich macht das krank. Es vermittelt ein Bild, dass es normal sei, dass Männer nun mal so sind. Sie sind nun mal auf der Jagd, und ja sind sie aber wie soll Frau damit zurecht kommen? Es hinnehmen? Ich kann und will das nicht...

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  4. Ich glaube an die ehrliche und einzige Liebe. An eine Liebe zwischen zwei Menschen, die so besonders und einmalig wie keine andere ist. An die Liebe, bei der man dem Anderen Blind sein Leben anvertrauen kann. An die Liebe, die dich niemals los lässt, weil sie so bedeutend ist. An die eine Liebe, bei der du DU sein kannst und sicher bist, egal was passiert.
    Ich wäre vermutlich ebenso skeptisch, hätte ich nicht genau diese Erfahung gemacht! Wichtig ist, deinem Gefühl zu vertrauen, ehrlich zu dir selbst zu sein und deinen Träumen zu folgen (so kitschig es auch klingen mag). Alles Gute für dich und positiv bleiben :)

    Liebe Grüße
    Lynndgren Lynndström // www.LynndgrenLynndstroem.blogspot.de

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  5. Ich glaube auch daran dass es diese Männer gibt, es ist jedoch finde ich auch schwierig zu sagen ob man genau diesem einen, der bereit ist alles für dich zutun auch begegnet.
    Ich hatte auch schon eine Beziehun die mein komplettes Leben geprägt hat, sicherlich auch meine jetzige Beziehung beeinflusst - auch mit bösem Ende ist und wird diese Beziehung immer irgendwie der Maßstab aller Dinge für mich sein. Habe aber auch schon so einiges mitbekommen wozu Männer fähig sind die Frau und Kind zu Hause sitzen haben.

    Heute ist es schwer zu sagen wie viel Chance besteht dass eine Beziehung für immer hält, aber ich glaube daran :)

    LG Denise

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  6. Also ich glaube nicht, dass alle Männer fremdgehen (alleine diese Pauschalisierung...), da ich wirklich viele männliche Freunde habe (also ja, Freundschaft zwischen Mann und Frau funktioniert problemlos, zumindest in meinem Freundeskreis) und die alle schon in langjährigen Beziehungen sind/waren und die sind in ihren Partnerschaften absolut glücklich und würden nie auf die Idee kommen, fremdzugehen. Meine Freundinnen übrigens auch nicht, ist ja kein reines Männerphänomen.

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  7. Liebe Chi, ich bewundere, wie Du aus einem simplen Abend einen wunderschönen Text verfassen kannst. Ich muss leider zugeben, dass ich nicht glaube, dass es die eine, wahre Liebe gibt. Einfach weil man sich immer weiterentwickelt, natürlich kann es sein, dass man sich gemeinsam weiterentwickelt, aber wäre es nicht besser, wenn man sich gegensätzlich entwickelt, eine neue Liebe, ein neues Glück zu finden - passend zu diesem Lebensabschnitt? Ich mag pessimisstisch klingen, aber ich habe vor kurzem wiedr eine ernüchternde Begegnung gemacht mit einem jungen Mann, denn ich für eine dieser Lieben hielt - stellt sich heraus, dass er zur Gattung der schnellen Frauenwechsler gehört und nur seine Bedürfnisse gestillt haben wollte..
    ich hoffe, dass du das nie erleben musst.
    xoxo, Janine (http://www.yourstellacadente.com/)

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  8. Ich denke, man sollte es gar nicht an einer geschlechterspezifischen Frage festmachen, sondern vielmehr in Betracht ziehen, dass Fremdgehen unabhängig von Geschlechtern stattfindet und der Ausgangspunkt die Beziehung ist, in der man sich befindet. Wann fängt fremdgehen für einen an? Bereits beim bloßen Gedanken oder erst bei der Tat selbst? Egal, wie es für einen selbst aussieht, sollte man das an vorderster Stelle mit der•m Partner•in aushandeln. Denn Fakt ist, dass selbst glückliche Langzeitbeziehungen nicht unberührt von dem einen oder anderen fremden Crush bleiben – das ist doch erst der Punkt, an dem sich eine Beziehung wirklich definiert: darüber sprechen oder schweigen, bleiben oder gehen. Auch wenn es wehtut, aber wenigstens ehrlich sein und wenn einem was an der anderen Person liegt, an der Sache zusammenarbeiten können. Ich denke, dass in den meisten Fällen der Vertrauensbruch nämlich weitaus schwerer wiegt als die "Tat" selbst. Und dass dein Gesprächspartner diese vage These aufstellt, sagt letztendlich doch mehr über ihn aus als über sämtliche Männer: Dass er seiner•m Partner•in nicht genug Vertrauen schenkt, um solch ein Thema an- und sich darüber aussprechen zu können. Es gibt zwar solche und solche Menschen – Menschen, die ihre Partner•innen stetig wechseln, und Menschen, die über längeren Zeitraum in einer Beziehung sind. Da ist jede•r einfach anders gestrickt, aber erst die Tatsache, nicht ehrlich sein zu können und offen darüber zu kommunizieren, das macht den Unterschied für mich aus.*

    (*Natürlich sei angemerkt, dass es auch Beziehungen gibt, in denen Worte wie Ehrlichkeit und Kommunikation leere Worthüllen darstellen, weil es toxische sind. Das ist noch einmal ein anderes Thema und würde die ganze Debatte noch einmal auf eine ganz andere Ebene heben. Ich ging nun von halbwegs gesunden Beziehungen aus)

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  9. Liebe Chi,
    einen sehr schönen, ergreifenden Text hast du da geschrieben! Ich glaube schon noch an die eine, wahre Liebe. Keiner kann einem sagen, wann sie kommt und wer sie ist. Das erfährt man nur durch die Zeit. Ich bin in meiner momentanten Beziehung sehr glücklich. Klar, vielleicht trage ich nur eine rosarote Brille, die man mir irgendwann abnimmt oder die irgendwann von selbst runterfällt, aber trotzdem! Man sollte an sowas Wunderbares wie die eine wahre, große Liebe glauben und wenn er es auch tut, sind das doch schon einmal prima Voraussetzungen! :)

    Liebst, Ina

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  10. Liebe Chi,
    ich glaube das lässt sich unglaublich schwer sagen. Menschen sind schließlich unberechenbar. Doch ich glaube zur Zeit einen treuen und ehrlichen Mann gefunden zu haben. Meinen Ehemann :D
    Allerdings glaube ich beim ihm, dass seine Art & Weise auch von seiner Erziehung kommt. Betrug oder gar Untreue ist für ihn undenkbar, wir haben uns beide von Anfang an vertraut und Werte wie mein Haus, meine Frau, meine Kinder sind ihm unglaublich wichtig. Wichtiger als Geld & Karriere. Und ich glaube, dass genau das es ist, was man heutzutage eher selten vorfindet.

    xx Vie
    von www.viejola.de

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  11. Klar geht es auch ohne. Und glaub mir, es sind nicht immer nur die Männer, die "scheiße" bauen. Frauen sind da auch keine Unschuldsengel.
    Wenn es der Richtige ist und ihr zusammen gehört, dann klappt das auch ohne eine 3. Person. Ansonsten seid ihr nicht richtig glücklich. Das ist meist die logische Schlussfolgerung...

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de/

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