Ich mache mich ganz klein und stütze meinen Kinn auf die Hände und schaue immer wieder zur Tür. Die K-Pop-Musik des kleinen, familiären Bubble-Tea-Ladens verleitet mich dazu zu denken, das reale Leben könnte vielleicht auch so ablaufen wie in koreanischen Dramen: Er mag sie, sie mag ihn nicht, und eines Tages trifft sie der Pfeil der Liebe. Oder so ähnlich. Und dann sind beide zu stolz und tun so, als wenn sie einander bis zu den Knochen nicht ausstehen können. Es braucht einen Regen, einen Zufall, vielleicht gar einen Unfall, damit sie irgendwie zueinander (zurück-) finden. Ich blinzele: Es läuft Sorry von Big Bang, ich fühle mich wie damals mit 15 Jahren, naiv und irgendwie sorglos. Selbst wenn ich zu der Zeit dachte, ich wäre ach-so-stark und hätte ein ach-so-schwieriges Leben. 

Dann stelle mir vor, wie du genau jetzt, in diesem Moment, die Tür aufmachst und den Laden betrittst. Wie du dich umgeschaut hättest und ich mich noch kleiner machen würde. Als wenn das noch nötig wäre, wenn man sowieso schon hingeschmolzen ist. Die Musik würde langsamer laufen, die Luft wäre weniger stickig, Menschen würden ihr Lächeln länger auf den Lippen behalten. Ich könnte dich eine Sekunde mehr beobachten, dich in deinen zerrissenen Jeans und den weißen Superstars. Vermutlich hätte ich meinen Kopf auf der Stelle weggedreht, hätte weiter mit meiner Freundin gequatscht und dich sofort ignoriert. Ich wünsche mir so sehr, du würdest mich ansehen, und ich würde jedes verdammte Mal so tun, als wenn da nur Luft wäre. Irgendwo flattern Schmetterlingsflügeln. 

Bitte komm nicht her und sag nicht "hi". Lasst uns dort aufhören, wo nichts begonnen hat. Ich frage mich, was du über mich denkst. Ob du noch immer über mich denkst. Es ist erstaunlich, wie Menschen, die dir vor Wochen fremd gewesen sind, plötzlich die Welt für dich bedeuten können. Ohne dass du es willst, ohne dass du es je für möglich gehalten hast. Doch bevor du es begreifst, sind sie wieder nicht mehr da. Und dann wunderst du dich, wie schnell alles an dir vorbei gezogen ist. Der Wind weht weiter und du stehst danach noch da, wo du schon immer warst. Allein. 

Bitte hör auf, so attraktiv zu sein, wenn ich gerade dabei bin, dich zu vergessen. Zeilen zu radieren, die wir je geschrieben haben. Aber vielleicht, vielleicht, vielleicht riskiere ich einen Blick direkt in deine Augen. Fang mich auf, wenn ich mich darin verlieren sollte. Denn ich werde. 

/ Für SH. 

12 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben! <3
    Wie du einfach mal mit den letzten beiden Absätze meine jetzige Situation haargenau beschreibst..

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    1. Genauso fühle ich mich derzeit auch... <3

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  2. Ich freue mich so sehr das es jetzt wieder einen Beitrag von dir gibt. Ich habe deine Texte vermisst <3

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    1. Ich habe auch vermisst zu schreiben... <3 Danke für die Treue :))

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  3. Der Text hat mich wirklich mitgenommen und in eine ganz besondere Stimmung versetzt.

    Liebe Grüße,
    Nili von Mindbroken.de

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  4. Wow, ich bin echt sprachlos! Der Text ist echt schön geschrieben und kenne dieses Gefühl nur allzu gut..vor allem dieser Satz "Bitte hör auf, so attraktiv zu sein, wenn ich gerade dabei bin, dich zu vergessen." entspricht so die Wahrheit. Ich freu mich schon auf deine nächsten Posts! <3

    Liebe Grüße,
    Nena
    http://nenangyn.blogspot.co.at

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    1. Danke, liebe Nena <3 Manchmal ist das so schwer, jemanden zu vergessen T___T

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  5. Irgendwie krig ich bei dem Text kribbeln, gänsehaut und Tränen gleichzeitig. Aber im ganzen ein wunderschöner Text zum träumen :')

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    1. liebsten dank <3 das so so ein netter kommentar :*

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  6. Wundervoll! du hast ein grosses Talent!:)

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