Manchmal, mittlerweile eher sehr selten, habe ich schlaflose Nächte. Einfach so weigert sich mein Körper, in den Schlaf zu rutschen, sich auszuruhen, entspannen. Ganz ohne Mückenstiche, die im Sommer unerträglich jucken, ohne das Schnarchen des Herrn Freunds, ohne Kummer, ohne Lärm. Nächte, an denen es mir eigentlich besonders schnell gelingen müsste einzuschlafen. Die Nachbarn sind ruhig, die Lichter sind alle erloschen und wenn ich in den Hinterhof blicke, ist alles umhüllt in einen schwarzen Umhang. Nichts außer das laute anstrengende, aber rhythmische Schnarchen des alten Mannes in der Wohnung unter uns. Irgendeine Windmaschine oder was auch immer, das mir immer nur nachts nur sein durchgängiges Brummen auffällt. Ab und an, so gegen 5 Uhr, stöhnt die die blonde Frau von gegenüber. Sie fährt ein altes, aber hübsches Fahrrad und kauft gerne Bioavocados und trägt, wenn ich mich nicht irre, bevorzugt Secondhand bzw. Vintage bzw. etwas, das danach aussehen soll. Die blonde Frau trägt das Haar immer offen und lächelt immer etwas schüchtern, aber bestimmt, nickt mir immer nur zu und sagt selten Hallo. Gegen 5 Uhr wird sie zweimal in der Woche aktiv, warum um Himmels Willen um diese Uhrzeit weiß ich auch nicht und eigentlich weiß ich das auch nur, weil ich die einzige kranke Nachteule des ganzen Hauses bin. In der vorlesungsfreie Zeit schalte ich für gewöhnlich erst um 6 Uhr morgens den Laptop aus und lege mich schlafen, kuschele mich in den schon sehr warmen Freund rein und träume. 

In letzter Zeit träume ich seltener und wenn, dann erlebe ich immer eine wahre Mischung aus Thriller und Horror, Mord und Totschlag, Entführung, Gott sei Dank noch keine Vergewaltigung, aber auch ohne die erlebe ich öfters 3D-Erlebnisse, aus denen ich nur zu gerne erwache. Zum Glück kann ich mich nicht jeden Tag an meine Träume erinnern, sonst hätte ich längst einen Psychologen aufsuchen müssen, um meine eigentlich ziemlich tolle Kindheit zu verarbeiten. Und dann gibt es tatsächlich solche Nächte, an denen ich meine Augen nicht zumachen kann. Einfach so. Dann zwinge ich mich dazu nicht nachzudenken, unnötig Gedanken an den Sinn des Lebens zu verschwenden und unwillkürlich emotional zu werden. Die Ruhe der Stunden, an denen andere Menschen ihre Batterie für den nächsten Tag aufladen, setzt mich unter Druck. Wie vieles andere, wie eigentlich alles andere. Immer ein bisschen zu viel, zu viel Freude, zu viel Trauer, zu viel Liebe. Immer ein wenig zu intensiv. Ich, sowie ich nie sein will. Verwundbar. 

Ich weiß nicht, ob es an der Nacht liegt, die alle Gefühle, die in ihrer Macht stehen, zu intensivieren scheint. Ob die Bettdecke daran Schuld ist, wenn Erinnerungen plötzlich aufgewärmt werden. Oder bloß an mir. Nachdem ich mein Instagram-Feed hoch und runter gescrollt, Snapchat-Stories fertig geschaut und darüber nachgedacht habe, manche Leute endlich zu entfolgen (einfacher gesagt als getan, ich bin echt so ein Opfer dieser Social Media Welt), stalke ich öffentlich meine Freunde und deren Freunde. Und das mag möglicherweise wie eine Ausrede klingen, aber ich finde, dass man durch das Stalken immer inspiriert wird. Ich brauche keine Stars, keinen Jack Ma, kein Gesicht, das ich sowieso für immer nur aus Google betrachten darf, um mein Leben umzukrempeln. Inspirationen finde ich aus meiner direkten Umgebung, an Menschen, die sich trauen, Dinge zu tun. Ein kleines Geschäft, der Beginn eines Unternehmens, learning by doing, oder wie heißt es doch immer so schön? Was wird mir das VWL Studium später nutzen, wenn ich nicht einmal weiß, was ich will. Geschweige denn was ich kann. Ich schaue mir diese jungen Menschen an und staune über die Talente, das Glück. Viel mehr: den Mut. Und das Strahlen in ihren Augen, alles für den Traum zu geben. 

Gestern Nacht wünsche ich mir mal wieder: mehr Ehrgeiz, mehr Passion. Für irgendetwas, das nicht Candy Crush heißt. 

4 Kommentare

  1. Ich hatte auch mal das Problem mit dem Einschlafen, und habe dann direkt nach Lifehacks und Tipps gesucht...Es hat nichts geholfen. Jetzt ist dieses Problem weg, einfach so, auf jeden Fall habe ich keine gravierenden Sachen gemacht, dir mir direkt aufgefallen wären. Ich glaube abends denkt man mal so richtig nach über alles, denkt sich Geschichten aus (ich, immer wie mir gesagt wird, dass irgendjmd. gestorben ist ka warum und versuche dann stark zubleiben). Probleme und Gefühle kommen hoch, man denkt anders als tagsüber wenn man mal 5 Minuten Zeit hat. Ich glaube ich bin selbstbewusster geworden, zwar nicht 100%-ig aber ich verstecke mich nicht mehr so...Ich glaube das ist das Geheimnis, sich selber zu vertrauen und voll und ganz zu glauben, wovon ich selbst aber noch weit entfernt bin. Man hört das ja immer wieder, also das was ich eben geschrieben habe, und es hat mich zugegebenermaßen auch manchmal genervt, dass diese Sprücheschreibe ja keine Ahnung hätten usw. aber erst vor kurzem habe ich sie verstanden, wirklich meine ich, nicht dass ich sie lesen könnte, sondern richtig verstanden habe. Ich habe das verstanden, als ich lange gute Bücher gelesen und nachgedacht habe. Mein früheres Ich würde sich wahrscheinlich über den Kommentar aufregen, aber vielleicht verstehst du es ja wenigstens ansatzweise.
    Viele Grüße
    Ve

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  2. das ist toll geschrieben. mit humor und detail....
    http://catchx.blogspot.de/
    xoxo nela

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  3. Oh Gott, der Text ist wunderbar! Und diese Ängste und Sorgen über die Zukunft kenn' ich einfach zu gut. Ich staune auch immer wieder über die Leute, die ihr altes Leben aufgeben oder die keine Angst vor dem Scheitern haben ihr Ding einfach durchziehen. Ich wünschte mir manchmal, dass ich mir davon eine Scheibe abschneiden könnte. Von dem Mut und der Passion.
    Ich hoffe und denke auch, dass du deinen Weg finden wirst :) Du hast Talent und bist super sympathisch! Du oder wir schaffen das :P

    http://www.lootieloosplasticworld.de/

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