Regentropfen schlagen hart auf die Fensterscheiben auf, verlieren ihre Form, verschmelzen ineinander, schleifen entgegen der Fahrtrichtung. Ich drücke meine Wange gegen die verschwommene Scheibe, versuche, hinter dem Regenvorhang noch etwas zu erkennen. Den Sommer zum Beispiel. Umrisse der Stadt. "Nächste Station: Hackescher Markt". Menschen stürmen aus der Tür raus, ich hinterher. Manchmal muss man sich mitreißen lassen, weiter arbeiten, weiter denken, weiter gehen. Meine Füße bewegen sich nach vorn, ich komme nur langsam mit. Treppe runter, Schritt für Schritt, jemand spielt Westlife's "When you're looking like that" und ich verliere mich. Ich ziehe meine Hand aus der Handtasche, lasse den Regenschirm schön ruhig darin liegen und stehe da. Schaue in den Regen, beobachte rennende Menschen, die ihr Hab und Gut über den Kopf halten, in der Hoffnung, nicht nass zu werden. Ich verliere mich. 

Die Menschen verschwinden um mich herum, der Wind presst seine kalte Hand auf meine Brust. Ich bin verloren. Die Stimme des Musikers hallt in meinem Kopf und ich denke an dich. An Gedanken, die nie ausgesprochen werden und trotzdem irgendwie ankommen. An deine Stimme, wenn du sagst, dass Dinge sich ändern werden. Weil ich nicht anders kann, nicht anders darf. Nicht anders will. Die lauten Regengeräusche übertönen deine Worte. Ich habe dich damals nicht verstanden, bin naiv gewesen, möchte naiv blieben. Damals bin ich auch aus der Tram-Tür herausgestürmt, habe dich zurückgelassen. Gedacht, dass mit uns alles okay sei, habe mich für dich gefreut. Dass du womöglich die Richtige findest. Hätte dir gerne geholfen, dir zugehört, dich getröstet, wenn es doch nicht funktioniert hätte, mit dir gefeiert, sollte sie dir eine Chance geben.

Stopp. Hättest du nachgedacht, anders gehandelt. Ich sehe mich auf dem Bildschirm lächeln, glücklich, weil ich neben dir stehe und dich so gerne mag. Ich sehe dich und mich und fühle mich leer. Verloren. Hilflos. Eine schlaflose Nacht, ein Streit. Manches sieht einfach nur auf der Hollywood-Leinwand begehrenswert aus, in der Realität ist es nur beschissen. Stopp. Lasst uns zurückgehen. Vergessen. Lass los.

Ich lege ganz vorsichtig einen Euro in den Becher des Musikers und verabschiede mich. Manchmal muss man weiter gehen. Trotz Regen, Verletzungen heilen. Du hast mich gern. Ich dich auch. Und Stopp. Lache drüber, wir sind noch Kinder. Manchmal muss man weiter gehen. Das weißt du genau und das wirst du auch. Und vielleicht darf ich schon bald dein Wingman sein. Ja, das wäre fein. 

/ Für K. 

8 Kommentare

  1. you are so gorgeous :)
    www.samanthamariko.com

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  2. oh chi der text ist wundervoll, wirklich.
    fühl dich fest gedrückt <3

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  3. soo schön geschrieben,chi
    www.tumblr.com/blog/abitcrazybutlovely

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  4. Hallo chi,
    Ich finde den ersten Look Mega Klasse , ich mag den Bruch im Look , cool trifft edel , ich hab mich sofort in das Outfit verliebt. Ich würde den Look genauso so tragen wenn ich könnte.
    Meine Email : Jaquelinepetten@gmail.com

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