Eigentlich sind wir nicht einmal mehr Facebook-Freunde. Auf meiner Anrufliste rutscht dein Name immer weiter nach unten und ich muss lange scrollen, bis ich dich auf Whatsapp finde. Eigentlich sehe ich dich nur noch selten und jedes Mal immer kürzer. Eigentlich wollte ich manche Passwörter ändern, die mich an uns erinnern, die unsere Geheimnisse waren. Eigentlich sollte ich nicht mehr in der Früh aufwachen, um nachzuschauen, ob du dich verschlafen hast und bei der Arbeit verspätest. Und eigentlich dachte ich, ich könnte jetzt wieder normal sein und du wärst mir egal. 

Heute saßen wir wieder zusammen und aßen Indisch. So gern, wie ich indisches Essen mag, esse ich es viel zu selten. Und eigentlich immer nur mit dir. Immer dieselben Gerichte, immer möchte ich etwas von deinem Essen, obwohl du nie geplante Portionen teilen willst. Immer das vertraute Gefühl, von meinem Tag erzählen zu wollen, alle Details, ob sie dich interessieren oder nicht. Wie immer ein Snack zu viel des Guten, eine zu anstrengende Person, ein zu verführerischer Sonnenuntergang an der Warschauer Brücke. Wie immer Stress und wenig Schlaf. Eigentlich fühlt es sich an wie immer, wenn ich bei dir bin.

Dann gehst du schlafen und ich widme mich wieder meinem Laptop und sinnlosen nächtlichen Aktivitäten, die weder Inspiration noch Geld noch Entspannung oder überhaupt irgendetwas bringen. Deine Hand kurz verflochten in meinen. Wärme. Leere. Ich blicke dich an und du erwiderst meinen Blick sanft. Der Himmel war heute so blau wie vor einem Jahr um diese Zeit. Das erste Eis des Sommers aß ich mit dir. Eigentlich sind wir immer noch hier und meine Finger versuchen, alles zu fühlen, was nur irgend möglich ist. Wenn. Was wäre. Wenn. 

Eigentlich komme ich jeden Abend nach Haus und wundere mich nicht mehr, wenn das Licht in deinem Zimmer nicht leuchtet. Ich mache mir nicht mehr Gedanken, wo du schläfst und denke nicht mehr an Männerprodukte, wenn ich Blogkooperationen eingehe. Uns fehlte nur noch ein gutes Ende, aber ich möchte meine Geschichte von vorn schreiben. Unser Buch? Offen und eines Tages verstaubt. Aber heute öffne ich es ganz behutsam und streiche über die acht lange Kapitel, die jeweils 365 Seiten beinhalten. Eigentlich vermisse ich nichts. 

Aber wenn heute noch gestern wär. Eine Chance, nur eine Chance mehr. 

Plötzlich wache ich auf und merke, dass mein iPhone schon eine Weile gesummt hat. Mein Schlafmangel erklimmt immer weitere Rekordhöhen und so langsam glaube ich, dass er die Spitze bald erreichen wird. Tagsüber befinde ich mich durchgängig in einer Art Trance, ich rede, laufe, lächele, aber die Augen drohen, jeder Zeit zuzufallen. Die Beine bewegen sich ganz schwer und dass auch nur, um den Oberkörper fortzuschleppen. Ich denke langsamer und kann mir nichts merken. Vergesse, den Wecker zu stellen und und und. Eigentlich habe ich viel zu tun und schaffe kaum etwas. Und am Ende des Tages frage ich mich, was ich denn gerade mit meinem Leben anstelle. 

Jedenfalls wache ich plötzlich auf und merke, dass du mich gerade anrufst. Ich habe nicht viele Nummer in meinem Telefonbuch und fremde Nummer drücke ich grundsätzlich immer weg, bekannte Nummer eigentlich auch. Ich überhöre gern die Anrufe, weil ich mich meistens so unwohl fühle, mich telefonisch mit jemandem zu unterhalten. Das Gefühl, mich ausschließlich auf meine Stimme verlassen zu müssen, macht mich irgendwie fertig. Persönliche Gespräche mit Mimik und Gestik - das geht. E-Mails mit ewig langen Vertragsverhandlungen - gehen auch. Aber einen Anruf entgegen zu nehmen, empfinde ich als eine Qual. Aber gerade erscheint dein Name auf meinem Bildschirm und das iPhone surrt immer ungeduldiger. Mutig ziehe ich den Balken nach rechts und flüstere fast: "Hallo anh*."

Stille. Du räusperst dich auf der anderen Seite der Leitung. Ich glaube, du bist überrascht, mich telefonisch erreichen zu können. "Du klingst so lieblich." "Ah nein, bin nur müde, was gibt's denn?" Dann folgt ein Dialog, an den ich mich zwei Minuten später nicht mehr erinnern kann: gewollte Lachansätze, ganz viele Wie-geht's und Mir-geht-es-gut und Wie-läuft-das-Leben und Und-bei-dir. Wenn man wirklich beieinander sein möchte, wird man einen Weg finden. Aber manchmal mag man jemanden, man mag ihn ehrlich und richtig gern, und doch wird daraus nie etwas, weil die jeweiligen Wellen unterschiedliche Frequenzen besitzen. So ist das zwischen dir und mir. So war es schon immer und wird es auch immer sein, möchte ich dir jetzt sagen - am Telefon. Stattdessen quassele ich irgendetwas über Hausaufgaben und dass ich auflegen müsste. 

Ich hätte gerne den Mut, Nein auf Fragen zu antworten, die nicht gestellt werden und doch im Raum schweben. Den Willen, die Freundschaft zwischen uns aufzubauen. Oder die Geduld, bis sich vielleicht eines Tages etwas ändert. Ich hätte dich gerne als Freund, den ich anrufen kann, wenn es mir nicht gut gehe. Dich als jemanden, dem ich ganz ohne nachzudenken schreiben kann: "So müde heute, Lust auf einen Kaffee, mit mir?"

Stattdessen lasse ich alles lustlos weiterlaufen, wie es schon die letzten Monate schleppend lief, und ärgere mich über Chancen, die aufpoppen und verschwinden, über Gefühle, die sich ständig ändern, und über die Beziehung zwischen uns, der ich keinen gescheiten Namen geben könnte. Irgendwie scheint es plötzlich, tröstlich zu sein, dass wir in 10 Jahren zurückblicken und darüber lachen können. Hoffentlich gemeinsam. Ruf mich in 10 Jahren an und trink einen Kaffee. Mit mir.  

*anh: vietnamesisch, Anrede für männliche Personen, die etwas älter sind

Das war mal was ganz Neues für mich! 

Dass ich Essen über alles liebe (vor allem jetzt, wo ich sowieso keinen Mann an meiner Seite habe haha), wisst ihr vermutlich. Dass ich eigentlich eher der Junkfood-Liebhaber bin, ist sicherlich auch bekannt. Nicht dass ich etwas gegen Gemüse und Süßkartoffel habe, NEIN, ich mag alles davon, aber eben auch Pommes und Döner :D. Und so war es wirklich etwas ganz Besonderes, Pasta aus Seealgen zu testen und mich wie ein richtiger Hipster zu fühlen. Der Herr Ex aka Minh hat gekocht (wir verstehen uns noch sehr gut, danke für die vielen Nachfragen!), einmal mit Zitronengras und Chili, einmal mit Avocado und Minze, jeweils immer mit Oktopus, den es ganz frisch auf dem Wochenmarkt gab. Und wie soll ich es sagen: Die Pasta schmeckt sehr GEWÖHNUNGSBEDÜRFTIG. Nicht schlecht, nur "komisch", sehr aldente, fast schon knusprig, supergesund, interessant. Eher eine Art Sommersalat, wie ich finde, wobei die Variante mit Zitronengras und Chili wirklich sehr toll gepasst hat! 

Natürlich kostet die Pasta ein bisschen mehr als herkömmliche Nudeln: Mit knapp 5 Euro war sie aber tatsächlich ein Erlebnis... Kennt ihr solche besonderen Nudeln bzw. möchtet ihr sie mal ausprobieren? :)